Sonderflughafen Oberpfaffenhofen

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Eckdaten des Platzes

  • IATA-Code: OBF
  • ICAO-Code: EDMO
  • Lage: westlich von München im Gemeindegebiet Weßling
  • Start- und Landebahn: 04/22, Asphalt
  • Nutzung: Sonderflughafen mit Forschungs-, Werk-, Geschäftsreise- und vereinsgebundenem Flugbetrieb

Vom Dornier-Werksflugplatz zum Luftfahrtstandort

Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ist seit den 1930er-Jahren eng mit der Entwicklung der deutschen Luft- und Raumfahrt verbunden. Aus dem Werksflugplatz der Dornier-Werke entstand über mehrere Jahrzehnte ein Standort, an dem heute Forschung, Flugerprobung, Raumfahrtbetrieb, Ausbildung, Instandhaltung und Flugsport zusammentreffen. Die Dornier-Werke erwarben das Gelände 1935, um einen Werksflugplatz einzurichten; 1936 nahm der Flugplatz den Betrieb auf. Flugzeugbau, Erprobung und Flugbetrieb prägten den Standort von Beginn an.

Die Kriegsjahre

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Gelände Flugzeuge produziert, erprobt und militärisch genutzt. Der Standort war mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Eine Aufnahme der US Army Air Forces vom Juli 1944 dokumentiert den Flugplatz und sichtbare Schäden an Teilen des Werks. Ein weiteres Bild zeigt Dornier Do 335 nach Kriegsende auf der Startbahn.Nach Kriegsende übernahmen US-Streitkräfte das Gelände. Oberpfaffenhofen soll auch als südlicher Stützpunkt der Berliner Luftbrücke gegolten haben. 1956 wurde der Werksflugverkehr wieder aufgenommen. In den folgenden Jahrzehnten blieb der Platz mit Dornier und seinen Nachfolgeunternehmen eng verbunden. Schon 1957 gründet sich der Luftsportclub Dornier e.V. der heute einen Teil unserer Flugsportgruppe prägt.

Forschung in der Luft

Die Forschungsflugabteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen betreibt speziell ausgerüstete Flugzeuge als wissenschaftliche Plattformen. Seit dem Umzug der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) im Jahr 1962 ist die Forschungseinrichtung am Standort vertreten. Aus der DVL entstand über die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) das heutige DLR. Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem Atmosphärenforschung, Erdbeobachtung sowie Kommunikations-, Navigations- und Radartechnik. Zur Flotte gehört das Höhenforschungsflugzeug HALO. Es ist in Oberpfaffenhofen beheimatet und wird von wissenschaftlichen Einrichtungen für Messkampagnen in unterschiedlichen Regionen der Welt genutzt. (Mehr dazu beim DLR)[https://www.dlr.de/de/das-dlr/standorte-und-bueros/oberpfaffenhofen] Seit 1962 waren am Standort auch DVL-Mitarbeiter in einer Fliegergruppe aktiv, aus der ein Teil der heutigen Flugsportgruppe hervorging.

Raumfahrt und Galileo

Oberpfaffenhofen ist nicht nur ein Luftfahrt-, sondern auch ein Raumfahrtstandort. Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum des DLR bereitet nationale und internationale Raumfahrtmissionen vor und begleitet ihren Betrieb. Dazu zählen die Steuerung und Überwachung von Raumfahrzeugen, die Missionsplanung sowie die Verarbeitung und Verteilung von Daten.

Auf dem DLR-Gelände befindet sich außerdem ein Kontrollzentrum für Galileo, das europäische Satellitennavigationssystem. Galileo stellt eine zivile europäische Infrastruktur für Positionsbestimmung, Navigation und Zeitübertragung bereit. Das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen ist Teil des Bodensegments, das den Betrieb des Systems unterstützt und überwacht.

Ausbildung für die Luftrettung

Mit dem ADAC Luftrettung Campus ist am Sonderflughafen seit 2025 auch ein Ausbildungs- und Kompetenzzentrum für Luftrettung und Notfallmedizin angesiedelt. Die ADAC HEMS Academy bildet dort unter anderem fliegendes und medizinisches Personal aus. Full-Flight-Simulatoren, ein Hubschrauber-Mock-up und ein Simulations-Rettungswagen ermöglichen Trainings, ohne dass jede Übung im realen Flugbetrieb stattfinden muss. Die Einrichtungen stehen beispielhaft für einen weiteren Schwerpunkt des Standorts: die Verbindung von Luftfahrt mit Aus- und Weiterbildung sowie medizinischer Einsatzvorbereitung. (Mehr dazu beim ADAC)[https://luftrettung.adac.de/campus/]

Air Tech Campus Oberpfaffenhofen

An den Sonderflughafen schließt der Air Tech Campus Oberpfaffenhofen an. Der Gewerbe- und Technologiestandort umfasst im Wesentlichen Flächen und Gebäude des früheren Dornier-Werks. Einige der ältesten erhaltenen Gebäude stammen aus dem Jahr 1936 und machen die industrielle Geschichte des Geländes bis heute sichtbar. Der Campus erstreckt sich über Bereiche der Gemeinden Weßling, Gilching und Gauting. Die Start- und Landebahn gliedert das Areal in einen westlichen und einen östlichen Teil. Seit der Übernahme des Flugplatz- und ehemaligen Werksgeländes im Jahr 2017 wird der Campus weiterentwickelt; bestehende Hallen und Verwaltungsgebäude wurden dabei durch Neubauten ergänzt. Am Campus und in seinem Umfeld sind Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen aus Luftfahrt, Raumfahrt und angrenzenden Technologiefeldern angesiedelt. Die räumliche Nähe zu Flugplatz, DLR, Raumfahrtkontrollzentrum und Luftrettungsausbildung prägt den Standort.

Von der Dornier 328 zur D328eco

Die Entwicklung der Dornier 328 begann Ende der 1980er-Jahre; ihr Erstflug fand 1991 in Oberpfaffenhofen statt. Das Regionalflugzeug und seine später entstandene Strahlversion wurden am Standort gebaut. Damit gehört die Baureihe zur jüngeren Industriegeschichte des früheren Dornier-Werks. Nach dem Ende der ursprünglichen Produktion blieb die technische Betreuung der bestehenden Flugzeuge in Oberpfaffenhofen erhalten. Aus diesem Umfeld ging Deutsche Aircraft hervor. Das Unternehmen entwickelt heute am Standort die D328eco als Weiterentwicklung der Dornier 328. Der 2025 in Oberpfaffenhofen vorgestellte erste Erprobungsträger steht damit in einer direkten historischen Linie zur früheren Flugzeugentwicklung auf dem Gelände.

Die Flugsportgruppe am Sonderflughafen

Die Flugsportgruppe ist Teil dieser besonderen Standortgeschichte. Ihre Wurzeln reichen in die ersten Betriebssportgruppen am Forschungs- und Industriestandort zurück. Heute verbindet sie Segel-, Motorflug und Fallschirmsport in einem gemeinnützigen Verein. Der Vereinsflugbetrieb ordnet sich in die für den Sonderflughafen geltenden Verfahren ein. Für Gäste ist wichtig: Starts und Landungen sind nur im Rahmen der geltenden Nutzungsberechtigung und nach den aktuellen Vorgaben des Flughafenbetreibers möglich. Mehr dazu auf der Seite der EDMO Gmbh

Quellen und weiterführende Informationen