Drei junge Fallschirmspringer auf dem Weg zur Lizenz

Fallschirmsport Jugend Ausbildung

Drei junge Fallschirmspringer auf dem Weg zur Lizenz

Fallschirmspringer sind (fast) ganz normale Menschen - Spannende Ausbildungserlebnisse von 3 jungen neuen Fallschirmspringer- Lizenzinhaber in der Flugsportgruppe im DLR Oberpfaffenhofen e.V.

Ein neuer Lebensabschnitt begann am 1.Oktober 2011 für den Schüler Alexander Krause, der bereits aktiver Segelflugschüler in der Flugsportgruppe im DLR Oberpfaffenhofen e.V. (FSG) war. Er war es somit schon gewohnt bei jedem Segelflug, aus Sicherheitsgründen, einen Rettungsfallschirm zu tragen. Der Entschluss einmal am Einweisungsspringen des Vereins teilzunehmen, lag für ihn daher nahe.

Der Jugendliche wurde dabei, gemeinsam mit weiteren Interessenten, von erfahrenen Fallschirmsprung-Lehrern an zwei Wochenenden in die Theorie des Fallschirmspringens und in praktische Übungen am Boden eingewiesen. An jenem 1. Oktober-Wochenende war es dann soweit, Start mit dem Absetzflugzeug Dornier Do27 in Oberpfaffenhofen und der sehr spannende, erfolgreiche 1. Fallschirmsprung alleine, folgte Minuten später aus 1500 m Höhe! Der Fallschirm wurde von einer Leine geöffnet, die mit dem Flugzeug verbunden war. Total begeistert nach seinem erfolgreichen 1.Fallschirmsprung mit geglückter, sanfter Landung, entschied sich der Schüler mutig gleich noch zu einem 2. Sprung an jenem Tag. Danach stand für ihn endgültig fest, dass er Fallschirmspringer werden möchte.

Weitere Sprünge konnten jedoch erst nach der Winterpause, in der neuen Fallschirmsprung-Saison, realisiert werden, nachdem Alexander bereits den Theorie-Unterricht besuchte, in den Fächern Meteorologie, Luftrecht, Menschliches Leistungsvermögen, Technik, Verhalten in besonderen Fällen, Aerodynamik und Freifall. Ab Frühjahr 2012 war es endlich wieder soweit, Alexander sprang nun erstmals am Flugplatz Illertissen. Bis Mai absolvierte er hier 12 weitere Sprünge aus dem dortigen Absetzflugzeug Cessna 206, wobei eine Aufziehleine den Fallschirm sofort nach dem Absprung aus dem Flugzeug öffnete. Das Augenmerk der Ausbildung lag nun auf saubere Exits, d.h. an ordentlichen und stabilen Ausstiegen aus dem Flugzeug. Später wurde ein Scheingriff an den Schulungsfallschirm angebracht, den er direkt nach Verlassen des Flugzeugs in der Luft ziehen mußte, um das manuelle Auslösen, d.h. das Öffnen des Fallschirms per Hand, zu simulieren. Ein Fallschirmsprunglehrer im Flugzeug schaute bei jenen Sprüngen immer zu, ob er diesen Griff erwischte.

Im Juni fuhr die Abteilung Fallschirmsport ins Springerlager Bad Windsheim. Nach weiteren Scheingriff-Übungen erlebte Alexander gleich am 1. Tag sein 1. manuelles Springen. Seine Bedenken in diesem Moment, etwas falsches zu tun, erwiesen sich als völlig unbegründet, es wurde stattdessen eines seiner beeindruckendsten Erlebnisse im bisherigen Leben. Nachdem er nun manuell sprang, wurden seine Sprungaufträge immer anspruchsvoller, denn ein ordentlicher Exit war Voraussetzung. Das Augenmerk lag nun auf eine saubere Freifallhaltung und die Freifallzeit so lange zu erhöhen, bis er die Freifall-Geschwindigkeit 50 m/s bzw. 180 km/h erreichte!

Seine Theorie-Prüfung absolvierte er erfolgreich nach jenem intensiven Sprungtraining im Springerlager. Alexanders nächste große Herausforderung stand im Juni an, als er am Flugplatz Illertissen zum 1.Mal aus 4000 m Höhe mit einer Freifallzeit von ca. 1 Minute sprang. Ab diesem Zeitpunkt wurden Manöver wie Salto, Rollen und Drehungen eingeübt. Einer der tollsten Momente während seiner Ausbildung empfand er bei den gemeinsamen Sprüngen mit Lehrer. Sie stiegen zusammen aus 4000 m Höhe gelinkt aus der Cessna 206 aus, d.h. an den Armen haltend. Erstmals sah er dabei jemanden in der Luft, der mit ihm agieren konnte und sich bei ihm aufhielt. Diese Sprünge waren die letzten vor seiner praktischen Prüfung mit 2 Prüfungssprüngen - einen "hohen" (4000 m) und einen "flachen" (1500 m), die er am 21. Juli 2012 mit Erfolg bestand und seine offizielle Fallschirmspringer-Lizenz erhielt. Zwei weitere, erfolgreiche Fallschirmspringer in der Flugsportgruppe erhielten zeitgleich ihre Lizenz.

Wenn er anderen Menschen vom Fallschirmspringen erzählt, wird er oft gefragt, ob es ihm nicht schwer fällt, aus einem intakten Flugzeug zu springen bzw. ob er verrückt sei. Für ihn und erfahrene Springer bedeutet das Fallschirmspringen das Loslassen können vom Alltag, die fast grenzenlose Freiheit an den Sprungtagen zu genießen und mit Freunden gemeinsam etwas tolles und unbeschreibliches zu erleben. Für Alexander ist es heute immer noch ein sehr aufregender Moment, wenn sich im Flug die Flugzeugtür öffnet. Ab diesem Zeitpunkt bleibt nur noch wenig Zeit, um seine Ausrüstung evtl. nochmals zu überprüfen bzw. ggf. den geplanten Sprung abzubrechen. Wenn Alexander kurz vor dem Absprung steht, genießt er noch einmal den Augenblick, bevor es wirklich los geht. Fallschirmspringer sind übrigens (fast) ganz normale Menschen, mit gängigen Berufen wie Polizist, Lehrer, Techniker u.a.. Die 3 neuen Lizenzinhaber sind: Schüler, Student und Lebensmittelkontrolleur.

Für Fallschirmsprung-Interessenten wichtige Fakten in Kürze: In der FSG wird eine konventionelle Ausbildung geschult, deren Dauer je nach Talent und persönlichem Dazutun ca. 6 Monate (ohne Winterpause) beträgt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 1600 € (je nach benötigter Sprunganzahl, im Preis inklusive sind die Vereinsaufnahme-, Schulungs-und Prüfungsgebühr sowie Schulungsunterlagen). Die Freifall-Geschwindigkeit liegt bei ca. 180 km/h, je nach Manöver auch deutlich schneller. Die Ausstiegshöhe aus dem Absetzflugzeug beträgt anfangs 1500 m, später 4000 m. Alexander sprang während seiner Ausbildung aus einer Do 27, Cessna 206 und Cessna Caravan.

Bild anbei: 3 junge, erfolgreiche neue Fallschirmspringer-Lizenzinhaber mit ihren Sprunglehrern vor dem Absetzflugzeug Dornier Do27 "Eberhard Silbersdorf" (l.n.r.: Alexander Krause, Alexander Prendinger, Andreas Höhne, Stefan Hinterberger, Frank Stallwitz, Stefan Knoch, nicht im Bild Sprunglehrerin Carolina Zehentner-Weiland)