Antonov AN-2 von Namibia nach Bayern
Mit leichtem Auf und Ab über zwei Kontinente Pilot Andreas Wild aus Weßling überführt mit seiner Crew eine Antonov AN-2 Oberpfaffenhofen - Da soll noch einer behaupten, fliegen sei langweilig: Einsteigen, anschnallen, aussteigen - stimmt ja auch irgendwie. Zumindest dann, wenn man sich in eine der modernen Linienmaschinen setzt. Etwas anders verhält es sich da bei einer Antonov AN-2. Der weltweit größte Doppeldecker aus russischer Produktion nimmt jede Turbulenz mit. Kein Wunder, ist doch diese mit einem 1000 PS starken Neun-Zylinder-Motor ausgerüstete Maschine nur für eine maximale Flughöhe von 3500 Metern zugelassen - und das bei Sichtflug. Um es kurz zu machen: Jemand, der schon beim Anblick eines Flughafens einen Fluchtreflex spürt, sollte um die AN-2 - auch "Tante Anna" genannt -einen großen Bogen machen. Die anderen können entspannt einsteigen, das leichte Auf und Ab genießen und schon mal - wenn es die Bedingungen erlauben - einen Blick aus der geöffneten Einstiegstür werfen.
Andreas Wild aus Weßling hatte für rund zwei Wochen dieses sanfte Schlingern unter dem Pilotensitz gespürt. Gemeinsam mit Co-Pilot Thomas Deuster aus Stuttgart, Flugingenieur Dieter Krysta aus München und Fabien Heitzmann aus Frankreich hat er einen der weltweit größten Doppeldecker von Windhoek/Namibia nach Bad Wörishofen übergeführt. Mit einem gemütlichen aber deutliche hörbaren Brummen kündigt sich die Ankunft der "Lufthansa"-Maschine "D-FOKK" am Flughafen in Oberpfaffenhofen an. Nach einer erstaunlich kurzen Strecke rollt die Antonov AN 2 auf der Landebahn aus und kommt vor den Hangars zum Stehen. "Endlich wieder in Europa", sagt Pilot Andreas Wild nach der Ankunft.
Der Elektro-Ingenieur Wild, der seit zehn Jahren einen Flugschein besitzt und im vergangen Jahr auch seinen Pilotenschein gemacht hat, hatte streng genommen Tage zuvor schon in Kreta europäischen Boden betreten. Allerdings eher unfreiwillig, denn dem Motor der AN-2 ging das Öl aus. Dieses musste dann per Fähre aus Athen beschafft werden, bevor es dann weiter ging nach Dubrovnik und letztendlich zum letzten Zwischenstop nach Oberpfaffenhofen.
Die Sache mit dem Motoröl konnte Andreas Wild zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr erschüttern. An den Landestationen in Afrika musste die Crew nach der Ankunft zunächst einmal das zugesagte Benzin organisieren - ganz zu schweigen vom Überflug des Sudan. Denn das vom Bürgerkrieg geschüttelte Land ist bei Piloten aus nahe liegenden Gründen alles andere als beliebt. Zumal dann, wenn man mit einer Antonov AN-2 unterwegs ist und auch noch zwei volle Benzinfässer als Reserve an Bord hat. Denn mit dem Doppeldecker des Typs haben Regierungstruppen schon Rebellen aus dem Süden des Landes bombardiert. Und jemand, der eine Waffe trägt, macht im Zweifelsfall keinen Unterschied, ob die Maschine deutsche oder sudanesische Hoheitabzeichen trägt. Glück für die Crew, dass die meiste Zeit dichte Wolken über dem Sudan hingen.
Nun also Oberpfaffenhofen. Hier werden die Zollformalitäten erledigt, die Tanks gefüllt und der letzte Check vor dem 45-minütigen Flug nach Bad Wörishofen gemacht. Dort ist "D-FOKK" künftig stationiert. Die Firma "Classic Wings" bietet jetzt von dort aus Flüge an - 80 Euro kostet der Spaß nach den Worten von Andreas Wild dann pro Person und Stunde. Dafür können es sich die Gäste in den elf Ledersitzen bequem machen. Denn bevor die Antonov AN-2 im südlichen Afrika Safari-Flüge absolvierte, war sie auch ein VIP-Flugzeug für den Parteikader der DDR - selbst Erich Honecker soll schon in der Maschine Platz genommen haben.
Fliegender Lastwagen Die Antonov AN-2 gilt als Allzweck-Flugzeug Gospodin Antonov, bau' uns ein Flugzeug, das überall starten und landen kann - so ähnlich könnte der Auftrag gelautet haben, den der Flugzeugkonstrukteur Oleg Antonov Ende der 40-Jahre des vergangenen Jahrhunderts von den Staatsoberen der Sowjetunion erhalten hat. Anotnov, der sich schon als Schüler für die Segelfliegerei interessierte und später zum bedeutendsten Konstrukteur von Segelflugzeugen und Lastenseglern in der UdSSR avancierte, machte sich ans Werk: Heraus kam die Antonov AN-2, die von der Nato den Codenamen "Colt" erhielt und von den Russen liebevoll "Anuschka" (Kleine Anna) genannt wurde.
Der mit seiner Länge von 12,40 Metern und seiner Spannweite von 18 Metern bis heute größte Doppeldecker der Welt wurde seiner Aufgabe gerecht. Die mit einem Neun-Zylinder-Sternmotor ausgerüstete AN-2, der maximal 1000 PS leistet, benötigt für Starts und Landungen gerade einmal rund 250 Meter. Damit ist die Maschine geradezu prädestiniert für Einsätze in der Wildnis. "Anuschka" braucht keine asphaltierte Landebahn - da reicht eine Wiese oder die Steppe. Auch Wasser und Schnee mussten die zwei Piloten nicht fürchten, denn die Antonov A-2 wurde auch mit Schwimmern und Kufen ausgerüstet.
Dementsprechend vielseitig waren die Einsatzmöglichkeiten. Der Doppeldecker diente mit seinen zwölf Sitzplätzen als Passagierflugzeug, flog Wissenschaftler in die entlegensten Gebiete, wurde als Sprühflugzeug in der Landwirtschaft und als Frachttransporter eingesetzt. Rund 40000 Maschinen vom Typ AN-2 wurden gebaut. Bis 1960 zunächst in der damaligen Sowjetunion, später in Lizenz in Polen, China, Südamerika und Afrika. Selbst in der früheren DDR wurden Ende der 50-er Jahre 100 AN-2 im Dresdener Werk produziert. Gra Weßlinger landet mit Antonov 2 bei DLR Überführung von Namibia nach Bayern Oberpfaffenhofen (ph) - "Endlich wieder europäischen Boden unter den Füßen", schwärmte Andreas Wild, Berufspilot und Mitglied der Flugsportgruppe im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Der Weßlinger und seine Crew, der Copilot Thomas Deuster, der Flugzeugingenieur Dieter Krysta und Fabien Heitzmann aus Frankreich haben den größten Doppeldecker der Welt von Namibia nach Bayern überführt. Einen Zwischenstopp legte die Antonov 2 gestern auf dem Gelände der DLR ein.
In Windhoek war der Oldtimer für Safariflüge eingesetzt worden. Jetzt werden in Bad Wörishofen Rundflüge angeboten.
Gestartet war Wild und seine Crew am 17. April in Namibia. Bis Oberpfaffenhofen mussten zehn Zwischenstationen - unter anderem in Nairobi, Khartoum, Luxor, Zypern und Dubrovnik - eingelegt werden. Die größten Probleme auf dieser abenteuerlichen Reise waren neben den Wetterschwankungen Versorgungsprobleme mit Treibstoff, so Wild. Als dann der Ammersee in Sicht war, wusste man, "jetzt ist es ein Heimspiel".
Kurz vor dem Ende eines langen Flugs Guten Weiterflug: Pilot Andreas Wild aus Weßling winkte gestern aus dem Cockpit der Antonov 2. Seit Mitte April war er mit seiner Crew an Bord des größten Doppeldeckers der Welt vom afrikanischen Windhoek auf dem Weg nach Bad Wörishofen. Die abenteuerliche Reise führte mit einigen Zwischenstopps zum Auftanken über Namibia, zu den Victoria Fällen, von dort aus zum Kilimandscharo, weiter nach Ägypten. Dann über die Türkei nach Zypern bis nach Oberpfaffenhofen, wo die Maschine gestern aus Zollgründen Station machte, bevor sie schließlich ihren endgültigen Standort, den Flugplatz in Bad Wörishofen, erreichte. Dort wird die russische Antonov 2 nun für nostalgische Rundflüge zur Verfügung stehen.
Der größte Doppeldecker der Welt OBERPFAFFENHOFEN - Die alte "Tante JU" hat Konkurrenz bekommen. Die Junkers 52 muss sich den Himmel über Bayern künftig mit einer Antonov 2, dem größten Doppeldecker der Welt, teilen. Gestern machte der "Vogel" einen Zwischenstopp am Flughafen Oberpfaffenhofen. Die Maschine war aus eigener Kraft von Namibia bis nach Bayern geflogen. Interessierte können bei Pilot Andreas Wild (Copilot Thomas Deuster) Nostalgie-Rundflüge und Gourmet-Reisen buchen. Infos: Von Namibia nach Bayern Überführung einer Antonov 2 Wessling - Andreas Wild aus Wessling, Berufspilot und Mitglied der Flugsportgruppe des DLR Oberpfaffenhofen, fliegt die klassische Maschine "Antonov 2" mehr als 10.000 Kilometer in einer spannenden Reise aus dem Süden Afrikas zurück nach Europa. Der Copilot Thomas Deuster aus Stuttgart und Dieter Krysta, Flugzeugingenieur aus München, bilden den Rest der Crew.
Am 15. April ist die Crew erst einmal selbst Passagier: beim Hinflug nach Windhoek/Südafrika. Dann heißt es, den Steuerknüppel selbst in die Hand zu nehmen: Die Rückroute führt zuerst über Namibia zu den Victoria Fällen, von dort aus weiter über Malawi und Tansania zum Kilimandscharo. Ein Tankstopp in Nairobi und Khartoum im Sudan wird angesteuert. Nach Passieren der Tempel von Abu Simbel und des Assuan-Staudamms heißt das nächste Ziel Luxor.
Jetzt ist endlich Europa mit seinem Vorposten Zypern in greifbare Nähe gerückt. Von dort ist es über Izmir/Türkei und der faszinierenden Hafenstadt Dubrovnik/Kroatien schon fast ein Heimspiel, um letztendlich als Endziel den Flugplatz Bad Wörishofen zu erreichen. Kann der Zeitplan gehalten werden, so gibt es dort am 29. April eine Welcome-Party für die Heimkehrer.