Sportpiloten mit Herz

Rundflug Vereinsleben

Sportpiloten mit Herz

Mitglieder der Flugsportgruppe im DLR Oberpfaffenhofen e.V. fliegen 16 behinderte Fluggäste über das schöne Fünf-Seenland.

Mit vereinten Kräften machten sie es möglich: am Samstag den 18. Oktober halfen Piloten, Betreuer und Mitglieder der Leo´s Maximilianeum – der Jugendorganisation des Lion´s Club – im Laufe des Tages 16 überglücklichen Bewohnern des Förderzentrums München in die einmotorigen Sportflugzeuge. Bei schönstem Sonnenschein und klarer Bergsicht brachten vier Freiwillige der Flugsportgruppe im DLR Oberpfaffenhofen e.V. sie und ihre Betreuer dann in die Luft – und eröffneten ihnen eine ganz neue Perspektive auf ihre Heimat.

Das Förderzentrum in Giesing betreut Menschen mit infantiler Cerebralparese (ICP), landläufig als Spastiker bekannt. Das Ziel der ICP Stiftung ist die Therapie, Förderung und Integration von Menschen mit frühkindlicher Hirnschädigung. Aber wie kam es zu der Rundflugaktion? Die Verbindung entstand über Karoline Zehentner. Beruflich ist Karoline bei der Leitung der Förderstätte tätig. In ihrer Freizeit hingegen springt das Mitglied der Flugsportgruppe ganz gerne mal aus einem fliegenden Flugzeug – mit Fallschirm versteht sich! Gemeinsam stellten sie und ihr Vereinskollege Frank Eisenack die Aktion „Fliegen mit Handicap“ auf die Beine.

Während Frank die freiwilligen Sportpiloten rekrutierte und Proviant für das leibliche Wohl aller Teilnehmer sorgte, organisierte Karoline den Ausflug ihrer Betreuten: der Dienstplan wurde angepasst, Transportmittel und Fahrer organisiert und nicht zuletzt der Tagesablauf der an Routine gewohnten Bewohner des Förderzentrums für den Ausflug umgestellt. Man könnte meinen das strahlende Wetter hat sie für die Mühe entlohnt! Voller Vorfreude trafen die Gäste bei idealem Flugwetter kurz vor Mittag beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen ein. Gemeinsam ging es direkt auf das Vorfeld und die ersten Fluggäste wurden auch gleich in die Flugzeuge gesetzt. „Keine leichte Aufgabe wenn man bedenkt, dass die Flugzeuge nicht unter dem Aspekt der Behindertengerechtigkeit gebaut wurden“, so Vereinsmitglied Jochen Thorn. „Die Wetterbedingungen könnten jedoch nicht besser sein!“ schwärmt er und steigt zu seinem ersten Rundflug in die Remorqueur.

Und welche Flugzeuge waren im Einsatz? Frank Eisenack flog vier Rundflüge mit der Cessna 172. Dominic Petrak brachte die Piper PA 28 samt Passagiere dreimal in die Luft. Jochen Thorn zeigte mit der Robin DR 400 „Remorqueur“ ebenfalls vier Gruppen die Alpen aus der Vogelperspektive. Gegen 14 Uhr verstärkte Alfred Kraus mit einer Dornier 27 seine Fliegerkollegen. Wer die Kosten übernehmen würde? „Das machen die freiwilligen Piloten“, erläutert Frank. „Die Freude unserer Fluggäste ist Belohnung genug für uns.“ Und dann sorgte ein weiteres Ereignis für Begeisterung: Vereinsmitglied und Mitarbeiter des DLR- Missionsbetriebs Michael Schmidhuber lud die Gäste zu einer Exklusivführung auf die Kontrollbrücke des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums ein. Die Einrichtung Raumflugbetrieb des DLR in Oberpfaffenhofen ist u.a. für den Missionsbetrieb des Columbus-Moduls der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zuständig. Von dort aus wird beispielsweise der Einsatz des deutschen Astronauten Alexander Gerst hautnah überwacht.

Zum Abschluss gab es das obligatorische Gruppenfoto und die Fluggäste bedankten sich bei ihren Piloten für das unvergessliche Erlebnis. Danach fuhren sie überglücklich und um viele neue Eindrücke bereichert zurück nach Giesing. Die Piloten schoben die Flieger zurück in die Flugzeughalle und schlossen die Hallentore. So ging ein besonderer und ereignisreicher Herbsttag am Flugplatz in Oberpfaffenhofen zu Ende.